Was sind Biokunststoffe?

Was sind Biokunststoffe?

 

Folien, Verpackungen, Alltagsgegenstände: Kunststoff ist praktisch überall zu finden und aus der modernen Welt kaum wegzudenken. Aber Plastik hat keinen guten Ruf. Wenn Plastik nicht recycelt oder verbrannt wird, hat es sich selbst nach Jahrzehnten noch nicht zersetzt.

Eine umweltverträglichere Variante scheinen da die sogenannten Biokunststoffe zu sein. Schon jetzt wird rund ein Drittel aller Kunststoffe in Europa als Biokunststoff produziert und in Zukunft wird der Anteil wohl noch steigen. Aber wie bei vielen anderen Produkten gilt auch bei Biokunststoffen, dass bei Weitem nicht überall Bio drin ist, wo Bio draufsteht.

 

Was sind Biokunststoffe?

Der Name Biokunststoff erweckt den Eindruck, dass es sich um ein umweltfreundliches Material handelt, das die Natur schont und biologisch abbaubar ist. Tatsächlich gibt es solche Biokunststoffe auch. Ein Beispiel hierfür sind die Häute von Würsten, die sich sowohl im Magen als auch in der Umwelt schnell zersetzen. Aber es gibt eben auch jene Biokunststoffe, die nur bedingt Bio sind.

Dies erklärt sich mit der Definition von Biokunststoffen. So darf sich ein Kunststoff dann Biokunststoff nennen, wenn bei der Produktion nachwachsende Rohstoffe wie Zuckerrohr, Mais oder Soja verwendet wurden. Er muss aber nicht vollständig aus diesen Rohstoffen bestehen, sondern nur zum Teil. Hinzu kommt ein zweites Problem.

Bei gut der Hälfte aller Biokunststoffe, die derzeit auf dem Markt sind, ist die chemische Struktur nahezu identisch mit dem Molekülaufbau bei herkömmlichen Kunststoffen auf Erdöl- oder Erdgasbasis. Wenn ein Biokunststoff aber die gleiche chemische Struktur hat wie konventionelles Plastik, dann gibt es auch in Sachen Entsorgung keine nennenswerten Unterschiede.

 

Wie umweltfreundlich sind Biokunststoffe wirklich?

Einen wichtigen Hinweis auf die Umweltverträglichkeit von Biokunststoffen liefert der Zusatz biologisch abbaubar. Aber selbst Kunststoffe, die als biologisch abbaubar deklariert sind, halten nicht immer das, was sie versprechen. So wurden beispielsweise in Supermärkten Bioplastiktüten mit einem Siegel beworben, dass einen Keimling zeigte und eine vollständige Kompostierbarkeit versprach.

Für Verbraucher entstand durch das Siegel der Eindruck, sie würden tatsächlich eine umweltfreundliche Tragetasche kaufen. Die Vorgaben, die erfüllt sein mussten, um dieses Siegel zu bekommen, kannten die meisten Verbraucher aber nicht. Dabei war es so, dass das Siegel dann vergeben wurde, wenn sich die Tüte in einer Kompostieranlage innerhalb von 12 Wochen zu 90 Prozent zersetzt.

In technischen Großanlagen werden diese Werte problemlos erreicht. Ein kompletter Abbau der Tüten findet aber nicht statt, sondern es bleiben kleine Schnipsel zurück. In Kompostieranlagen stoßen die Biotüten auf wenig Begeisterung, denn durch sie sinkt der Wert des Komposts. Für den heimischen Komposthaufen eignen sich die Biotüten überhaupt nicht, denn hier sind die erforderlichen Temperaturen für einen zumindest teilweisen Abbau erst gar nicht gegeben. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass das Siegel mit dem Keimling nicht verlangte, dass die Biotüten vollständig aus nachwachsenden Ressourcen hergestellt sein müssen.

Die Biotragetaschen, die im Handel erhältlich sind, bestehen überwiegend aus konventionellen Kunststoffen auf Erdölbasis. Der Anteil an Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen liegt bei weniger als einem Drittel. Nachdem die Deutsche Umwelthilfe eine Klage angedroht hatte, sind inzwischen Bioplastiktüten, die angeblich zu 100 Prozent biologisch abbaubar sind, aus den Supermarktregalen verschwunden.

Experten sind sich darin einig, dass Biokunststoffe letztlich keinen ökologischen Mehrwert haben. Selbst wenn sich Biokunststoffe vollständig bauen, zersetzen sie sich hauptsächlich zu Wasser und zu Kohlendioxid. Nährstoffe geben sie aber nicht ab.

Letztlich profitiert die Umwelt dann sogar mehr davon, wenn Biokunststoffe in Müllverbrennungsanlagen als Wärmeenergielieferanten verwertet werden können. Zudem ist eine schnelle Zersetzung für die Ökobilanz eher nachteilig. Besser ist, wenn umweltfreundliche Kunststoffe möglichst langlebig und recycelbar sind. 

Wenn ein Material mehrfach wiederverwendet werden kann, leistet es einen Beitrag zum Umweltschutz. Dies gilt für Kunststoff genauso wie für alle anderen Materialien auch. Wenn beispielsweise eine Plastiktasche immer wieder für den Einkauf genutzt wird, ist sie nicht schlechter für die Umwelt als eine Baumwolltasche, die nach einmaligem Gebrauch für immer in der Schublade verschwindet.

Ähnlich sieht es bei Flaschen aus PET und aus Glas aus. Sowohl PET als auch Glas können wiederverwertet werden. Durch das deutlich geringere Gewicht ist bei PET-Flaschen aber der Energieaufwand beim Transport niedriger, was die Umweltbilanz wiederum verbessert.

 

Sind Biokunststoffe das Plastik der Zukunft?

Biologisch abbaubare Kunststoffe werden in Zukunft wohl nur eine untergeordnete Rolle spielen. In der weltweiten Kunststoffproduktion ist nicht geplant, den Anteil an kompostierbaren Kunststoffen in den kommenden Jahren nennenswert zu erhöhen.

Bei den Biokunststoffen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, sieht das schon ganz anders aus. Hier gehen die Prognosen davon aus, dass sich die Produktionsmenge schon in naher Zukunft etwa verfünffachen wird. Allerdings räumen die Unternehmen ein, dass die Ökobilanz nicht unbedingt das ausschlaggebende Kriterium ist.

Vielmehr ist es so, dass Erdöl immer knapper und irgendwann aufgebraucht sein wird. Deshalb geht es in erster Linie darum, geeignete Alternativen zu finden.

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